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Hufeld: Banken sind in einer „heiklen Gemengelage“

Die BaFin hat eine Zwischenbilanz ihrer Maßnahmen im Zuge der Corona-Pandemie gezogen: „Wir haben unsere aufsichtlichen Rahmenbedingungen denen der Krise angepasst“, erklärte BaFin-Präsident Felix Hufeld am Dienstag in einem Statement anlässlich einer telefonischen Jahrespressekonferenz. So habe die Aufsicht den Banken erlaubt, Kapitalpolster zu nutzen, die sie in guten Zeiten für schlechte Zeiten anlegen mussten. Wesentliche Ziele der Maßnahmen: „Den Instituten den Rücken freizuhalten, damit sie zügig die eigenen und die bereitgestellten öffentlichen Mittel dorthin leiten können, wo sie gebraucht werden. Und: sie zu stärken, damit sie eventuelle Kreditausfälle möglichst gut abfedern können.“ Hufeld betonte zugleich, dass die Anpassungen temporär seien. Die BaFin bewege sich nicht außerhalb geltenden Rechts, sondern nutze die darin angelegten Spielräume.

Hufeld wies darauf hin, dass sich die Banken in einer heiklen Gemengelage befänden: „Die Erträge seit Jahren schwach, die Zinsen niedrig, die digitale Konkurrenz umtriebig – und jetzt noch die Corona-Krise. Dennoch sei der deutsche Bankensektor heute relativ widerstandsfähig.“ Jetzt, in der neuen Krise, ernte man die Früchte der Regulierungsreformen aus der Zeit nach der Krise 2007/2008. „Wir haben mehr Stabilität im Bankensystem, denn wir haben mehr und besseres Kapital. Und wir haben mehr Liquidität – obwohl die Nachfrage gerade hoch ist und obwohl die Institute den Stundungswünschen überwiegend nachkommen und auch neue Darlehen vergeben“, so Hufeld. Das sei jedoch nur ein Teil der Wahrheit. Die Lage sähe heute düsterer aus, wenn Bundesregierung, Europäische Zentralbank und Aufsicht nicht ihre weitgehenden Maßnahmen ergriffen hätten.

Keine Systemkrise

Auch die milliardenschweren Hilfspakete für die Realwirtschaft könnten nicht vollständig verhindern, dass in den kommenden Wochen, Monaten und vielleicht Jahren Kreditnehmer ausfallen, prognostizierte Hufeld. Belastbare Zahlen gebe es noch nicht, Banken und Aufsicht arbeiteten derzeit mit Szenariorechnungen. Das Thema bereite der Aufsicht Sorgen. Daher habe man die Banken aufgefordert, ihre Kapitalbasis jetzt nicht durch Dividendenzahlungen oder Gewinnausschüttungen zu schwächen. Diese Botschaft sei offenbar weitgehend angekommen. Immer wieder werde zudem die Frage laut, ob nun eine Systemkrise drohe, so Hufeld: „Aus heutiger Sicht nicht.“ Der Bankensektor habe das Zeug, die Krise zu überstehen – wenn auch mit einigen Blessuren. Allerdings verschärfe die Krise die Probleme, die die Banken vorher schon gehabt hätten. Wenn sie vorbei sei, müssten sich die Institute umso dringender mit ihren Geschäftsmodellen beschäftigen, hieß es.

Die BaFin veröffentlichte darüber hinaus ihren Jahresbericht 2019. Darin identifiziert die Behörde für das Jahr 2020 vier Aufsichtsschwerpunkte, die für alle Geschäftsbereiche große Bedeutung hätten: 1) Digitalisierung, IT- und Cyberrisiken, 2) Integrität des Finanzsystems und Bekämpfung von Finanzkriminalität, 3) nachhaltige Geschäftsmodelle und 4) Sustainable Finance.  Aus gutem Grund stehe der Themenkomplex Digitalisierung an erster Stelle der Aufzählung, heißt es in dem Bericht. Die Finanzindustrie werde zunehmend von digitalen Technologien durchdrungen. Prozesse, Produkte, Dienstleistungen, Vertrieb, ganze Geschäftsmodelle – die Digitalisierung mache auch im Finanzsektor „vor nichts und niemandem Halt“. Tempo und Intensität der digitalen Transformation dürften sogar noch weiter zunehmen, hieß es. (ud)

Lesen Sie hier den vollständigen BaFin-Jahresbericht 2019.

Weitere Artikel und Meldungen rund um die Themen Bankpolitik und Bankpraxis finden Sie auf der Webseite www.die-bank.de.

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