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IW: Köln Helikoptergeld in Deutschland nicht zielführend

Radikaler Kampf gegen das Coronavirus: In den USA soll nach dem Willen von Präsident Donald Trump jeder Bürger – ausgenommen sind nur Superreiche – im Rahmen eines billionenschweren Hilfsprogramms einen Konsumscheck in Höhe von bis zu 1.200 US-Dollar erhalten. In Deutschland wird jetzt über eine ähnliche Option nachgedacht. Wissenschaftler des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln e.V. halten so eine Maßnahme jedoch nicht für sinnvoll. Im Gegensatz zur Bundesrepublik seien in den USA die Bürger weder über Kurzarbeitergeld noch über ein vergleichbares Sozialversicherungssystem abgesichert, so das IW am Freitag in einer Mitteilung.

Der momentane Stillstand des öffentlichen Lebens, das Herunterfahren ganzer Unternehmen und Einrichtungen habe für die Amerikaner also viel dramatischere Auswirkungen: „Sie rutschen schneller in die Arbeitslosigkeit oder können sich notwendige medizinische Versorgung oder Lebensmittel nicht mehr leisten.“ Die Grundidee des Helikoptergelds könne in diesem Fall durch die Krise helfen. „In Deutschland würde das staatliche Geschenk aber bei zu vielen Menschen ankommen, die nicht wirklich darauf angewiesen sind“, hieß es.

Hüther: „Helikoptergeld ist nur eine radikale Notlösung“

In der Bundesrepublik seien es nämlich vor allem Kleinstunternehmer, die durch die Corona-Krise in Gefahr geraten könnten. Hierzulande gebe es rund drei Millionen Unternehmen mit durchschnittlich 1,4 Angestellten und knapp über zwei Millionen Solo-Selbstständige. „Viele dieser Menschen sind aktuell stark betroffen und brauchen Hilfe – schnell und unbürokratisch“, erklärte IW-Direktor Michael Hüther. Es sei wichtig, dass Kleinstunternehmen, die im Zuge der Corona-Krise Kredite bekommen, nicht mittelfristig in die Insolvenz getrieben werden. Notfalls müsse der Staat die so entstehenden Schulden der Unternehmen erlassen. „Helikoptergeld ist nur eine radikale Notlösung und sollte erst genutzt werden, wenn andere geldpolitische Instrumente nicht mehr weiterhelfen“, ergänzte Hüther. 

Das Konzept, an jeden Bürger Geld auszuzahlen – also quasi vom fliegenden Helikopter aus Scheine und Münzen abzuwerfen – stammt ursprünglich von dem amerikanischen Wirtschaftswissenschaftler und Ökonomie-Nobelpreisträger Milton Friedman (1912-2006). Demnach soll die Zentralbank Geld drucken und an die Bürger verschenken, um einen drohenden Crash der Wirtschaft abzuwenden. (ud)

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