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BaFin: Anhaltender Trend zur Konsolidierung bei Banken

Nach Auffassung von BaFin-Präsident Felix Hufeld wird der Trend zur Konsolidierung bei deutschen Kreditinstituten weiter anhalten. Betroffen seien alle Säulen des Bankensektors, erklärte er am Mittwoch in einem Interview mit dem „Supervision Newsletter“ der Europäischen Zentralbank (EZB). Hufeld verwies darauf, dass es 1990 in Deutschland noch etwa 4.700 Kreditinstitute mit gut 44.000 Filialen gegeben habe. Bis Ende 2018 seien davon nur noch 1.600 Institute mit 28.000 Filialen übrig. „Ich gehe fest davon aus, dass sich dieser Trend noch eine ganze Weile unvermindert fortsetzen wird“, so Hufeld. „Etwas ganz anderes sind die beliebten Gedankenspiele, ob es sinnvoll ist, dass sehr große Bankhäuser – gegebenenfalls auch grenzüberschreitend – Übernahmen tätigen oder fusionieren.“ Die dabei entstehende Komplexität sei nicht zu unterschätzen. Über die Sinnhaftigkeit solcher Fusionen solle zunächst der Markt entscheiden, nicht staatliche Stellen.

Hufeld leitet seit zwei Jahren eine hochrangige Gruppe, um die Kernaufsichtstätigkeit zu überprüfen, den aufsichtlichen Überprüfungs- und Bewertungsprozess. In dem Interview gab der BaFin-Präsident Auskunft über das genaue Mandat der Gruppe. „Ein zentrales Thema ist die Frage, wie die institutsindividuellen zusätzlichen Eigenmittelanforderungen bestimmt werden, die Säule-II-Anforderungen.“ Der aktuelle Ansatz der europäischen Bankenaufsicht knüpfe die Bestimmung dieser Anforderungen eng an die Gesamteinschätzung des Instituts, so Hufeld.

„Wir fahren da also einen holistischen Ansatz. Den ergänzen wir nun, indem wir uns verstärkt die einzelnen Risikotreiber genauer ansehen. Das läuft bei uns unter der Überschrift ‚Risk-by-risk‘-Ansatz“, sagte Hufeld. Diese zusätzliche Perspektive nehme die Aufsicht ein, weil sich nicht alle Faktoren, die in die Gesamtbewertung eines Instituts einfließen, gleichermaßen auf dessen Kapitalbedarf auswirken würden. „Es liegt zum Beispiel nahe, Liquiditätsrisiken oder Risiken, die wir besser mit qualitativen Maßnahmen als mit Kapitalaufschlägen einhegen können, nicht unmittelbar in die Bestimmung der Säule-II-Anforderungen einfließen zu lassen.“

Betrachtung einzelner Risiken

Mit der Einführung einer „Risk-by-risk“-Perspektive, also der Betrachtung einzelner Risiken, wolle die BaFin auch der internen Risikotragfähigkeitsrechnung und Kapitalplanung der Institute (Internal Capital Adequacy Assessment Process/ICAAP) eine größere Bedeutung im aufsichtlichen Überprüfungs- und Bewertungsprozess verschaffen. „Diese Risikotragfähigkeitsrechnung ist weit mehr als die Anforderungen der Säule II. Wir wollen sowohl die Banken dazu bringen, ihre ICAAPs zur internen Steuerung des Kapitalbedarfs zu verbessern, als auch die daraus gewonnenen Informationen aufsichtlich stärker nutzen“, erläuterte Hufeld.  

Der BaFin-Präsident umriss darüber hinaus die Aufgaben der Aufsicht vor dem Hintergrund der digitalen Entwicklungen im Finanzsektor. „Wir müssen verstehen, welche Veränderungen in den Finanzmärkten dank der Digitalisierung stattfinden, um auf veränderte oder gar völlig neue Phänomene aufsichtlich angemessen reagieren zu können.“ Zugleich sei es Aufgabe der Aufsicht, aus diesen Erkenntnissen Impulse abzuleiten, bestehende regulatorische Vorgaben anzupassen – etwa im Bereich Risikomanagement mit Blick auf die IT-Sicherheit – oder völlig neue Regulierung anzuregen – zum Beispiel im Bereich Kryptowerte.

„Es bleibt abzuwarten, wie stark Trends wie etwa der der Plattformökonomie oder der weitestgehend anonymer blockchainbasierter Netzwerke oder das mögliche Aufkommen einer tokenbasierten Ökonomie einen Finanzsektor, wie wir ihn heute kennen, grundsätzlich in Frage stellen“, erklärte Hufeld. (ud)

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