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LBBW Research: „Der Euro gewinnt an Stärke"

Seit der Eurostaatenkrise hat der Euro gegenüber den übrigen Leitwährungen der Welt zum Teil deutlich an Wert eingebüßt. Die Coronavirus-Pandemie wird nach Ansicht des LBBW Research jedoch eine Trendwende zugunsten der Gemeinschaftswährung anstoßen, teilte die Landesbank Baden-Württemberg am Dienstag in Stuttgart mit. Die Analysten der Research-Abteilung sehen den Euro demnach binnen Jahresfrist wieder bis auf 1,18 Dollar je Euro (Ende Juni: 1,12) steigen. „Der Euro setzt wegen der Neubewertung von Euro und EU bei internationalen Investoren zum Höhenflug an“, erklärte Uwe Burkert, Chefvolkswirt und Leiter des LBBW Research. „Seit Anfang 2018 ging es stets abwärts, nun schwingt das Pendel wieder zurück.“ Im nächsten Jahr könnte der Euro demnach die Marke von 1,20 Dollar je Euro wieder ins Visier nehmen, die er zuletzt Anfang 2018 gekostet habe, hieß es.

Einer der wichtigsten Gründe für die Euroerholung sei die jüngste Konjunkturentwicklung, so die Analysten. Wochenlang habe die Corona- Zwangspause Wirtschaft und Gesellschaft lahmgelegt. Nun hätten die europäischen Volkswirtschaften die Talsohle hinter sich gelassen, sofern keine zweite Infektionswelle einen neuerlichen Lockdown erzwinge. In Europa ließen zudem die sinkenden Infektionszahlen auch wieder eine gewisse Normalisierung des öffentlichen Lebens zu, hieß es. Der Alte Kontinent, vorübergehend das Epizentrum der Pandemie, scheine sich überdurchschnittlich zu schlagen. Die Staaten Europas hätten historisch einzigartige Fiskalpakete beschlossen. Den stark betroffenen Ländern Frankreich, Italien und Spanien könnte den Forschern zufolge zudem ein europäischer „Wiederaufbaufonds“ beistehen.

„Vermutlich werden wir Mitte Juli auf einem Sondergipfel der EU unter deutscher Ratspräsidentschaft einen Durchbruch erleben und damit eine fundamentale Wende in der Finanzarchitektur Europas sehen“, fügte Burkert hinzu. Damit wird nach Ansicht des LBBW Research der Weg zu einer tieferen Integration Europas frei. Infolge dessen werde das Risiko eines Auseinanderbrechens der Union an den Märkten ausgepreist, was den Euro stütze. Selbst das Urteil des Bundesverfassungsgerichts zu den Anleihekäufen der Europäischen Zentralbank (EZB), das ein potenzieller Sprengsatz für die Märkte gewesen sei, hätten Bundestag, Bundesbank und EZB gemeinsam entschärft, so die Experten (ud)

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