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Studie zur Zukunft der deutschen Kreditwirtschaft: Banken kann die Renditewende gelingen

Deutschlands Bankenbranche hat die Talfahrt ihrer Rendite im Krisenjahr 2020 offenbar gestoppt. Trotz einer deutlich höheren Kreditrisikovorsorge habe die durchschnittliche Eigenkapitalrendite nach Steuern mit 1,1 Prozent erstmals seit langer Zeit wieder leicht über dem Niveau des Vorjahrs gelegen, so eine aktuelle Studie. Doch ihre strukturellen Herausforderungen habe die Branche noch nicht gemeistert. So bleibe die Bankenlandschaft fragmentiert, das Kostenniveau sei vielerorts weiterhin zu hoch und in zukunftsträchtigen Märkten etablierten sich Branchenneulinge wie FinTechs oder Neobroker, so die Analyse von Bain.

„Die Banken sind in der Pandemie für viele Privat- und Geschäftskunden ein Partner in der Not und haben Vertrauen zurückgewonnen“, erklärte Walter Sinn, Co-Autor der Studie: „Zugleich haben die branchenweiten Anstrengungen in puncto Neuausrichtung und Kostenreduzierung zu einer Stabilisierung der wirtschaftlichen Lage der Kreditinstitute geführt.“ So sei die Zahl der Filialen 2020 um weitere gut 10 Prozent auf insgesamt 20.300 gesunken. Dank rückläufiger Kosten und weitestgehend stabiler Erträge verbesserte sich die Cost-Income-Ratio den Angaben zufolge gegenüber 2019 um 4 Prozentpunkte auf 72 Prozent.

Einem nachhaltigeren Fortschritt stand im Pandemie- und Rezessionsjahr 2020 demnach eine deutlich höhere Kreditrisikovorsorge im Weg. Sie habe die Rentabilität aller Institutsgruppen belastet, hieß es. Mit 7,5 Prozent wiesen laut Untersuchung die Automobilbanken 2020 die höchste Eigenkapitalrendite aus, gefolgt von den Direktbanken mit 7,2 Prozent. Die beiden zahlenmäßig größten Institutsgruppen, Kreditgenossenschaften und Sparkassen, erwirtschafteten den Ergebnissen zufolge eine Rendite von 5,3 beziehungsweise 3,5 Prozent.

Mehr Rendite dank niedrigerer Risikokosten
2021 könnten die Risikokosten merklich sinken und damit die Bahn für eine weiter steigende Rendite freimachen. Dies lege eine Auswertung der Halbjahresabschlüsse der 21 großen Banken in Deutschland nahe, die der Aufsicht der EZB unterstünden. Die Risikokosten dieser Institute bewegten sich in der ersten Jahreshälfte 2021 demnach knapp 50 Prozent unter dem Vorjahreswert. Dennoch gibt Sebastian Thoben, ebenfalls Co-Autor der Studie, keine Entwarnung: „Die anhaltende Pandemie sorgt für neue Unsicherheit, was den weiteren Konjunkturverlauf angeht. Damit erhöht sich auch das Ausfallrisiko von Krediten. Erst 2022 wird sich zeigen, ob die bisherige Kreditrisikovorsorge ausgereicht hat.“ Mittelfristig werde eine Normalisierung der Risikokosten aber einen Beitrag zur Renditewende leisten.

Bei der Transformation ihrer Geschäftsmodelle und der Ausrichtung auf Zukunftsthemen sollten die Banken keine Zeit verlieren, so eine weitere zentrale Aussage. Wer wettbewerbsfähig bleiben wolle komme nicht umhin, sich umgehend mit den folgenden vier Trends zu befassen:

  • Digitale Ökosysteme: Im Mittelpunkt stehe dabei, das eigene Leistungsspektrum gemeinsam mit Partnern um finanznahe Themen zu erweitern.
  • Embedded Finance: Immer mehr Branchen folgten dem Vorbild des Handels und integrierten Bezahl- und Finanzierungsfunktionen in ihr Geschäftsmodell. Aufgabe der Kreditinstitute müsse sein, Banking as a Service als zusätzlichen Geschäftszweig zu etablieren.
  • Digital Assets: Durch den Einsatz der Blockchain-Technologie ergeben sich laut Studie neue Möglichkeiten im Asset-Management, im Kredit- und Kapitalmarktgeschäft sowie im Corporate-Banking. Potenzial habe zudem das Geschäft mit Kryptowährungen.
  • Nachhaltigkeit: Die Transformation von Wirtschaft und Gesellschaft biete Banken Wachstumschancen entlang der gesamten Wertschöpfungskette.

Eine erfolgreiche Transformation der Geschäftsmodelle in Richtung dieser vier Zukunftsmärkte könnte der Untersuchung zufolge die Eigenkapitalrendite der Banken in Deutschland um 1 bis 2 Prozentpunkte steigern. Durch höhere Zinsen, niedrigere Risikokosten sowie Fortschritte auf der Kostenseite, im Provisionsgeschäft und bei der Konsolidierung sei mittelfristig eine Rendite von 8 bis 10 Prozent erreichbar: „Deutschlands Banken können die Renditewende schaffen“, so Walter Sinns Fazit: „Voraussetzung ist, dass sie in puncto Neuausrichtung das Tempo erhöhen und transformatorische Chancen wie Nachhaltigkeit konsequent nutzen.“ (ud)

Weitere Artikel und Meldungen rund um die Themen Bankpolitik und Bankpraxis finden Sie auf der Webseite www.die-bank.de.

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