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Umfrage: Deutsche sehen das Schuldenmachen skeptisch

In der Corona-Krise hat sich der deutsche Staat deutlich verschuldet, um die ökonomischen Folgen der Pandemie abzufedern. Befragungen zufolge sind viele Bundesbürger mit dieser Politik grundsätzlich einverstanden. Wenn es jedoch um die eigene Haushaltskasse geht, sehen die Deutschen das Schuldenmachen skeptisch. Laut einer aktuellen Umfrage unter Konsumenten in 13 europäischen Ländern rund um das Thema Schulden (ohne Hypothekenschulden) zeigte sich, dass verschiedene Aspekte von Schulden in Deutschland kritischer gesehen würden als anderswo. Umgekehrt seien Verbraucher hierzulande aber stärker als in anderen europäischen Ländern der Auffassung, dass es sich bei diversen kreditbasierten Zahlungsmethoden wie beispielsweise der Verwendung von Kreditkarten gar nicht um Schulden handele, so eine Umfrage des Ipsos Meinungsforschungsinstituts, die im Rahmen der ING International Survey (IIS) durchgeführt wurde.

Der klassische Kredit von einer Bank oder öffentlichen Institution sei die am weitesten verbreitete Art von Schulden, teilte die ING Deutschland mit. Europaweit nutzten rund 31 Prozent der Befragten ein solches Finanzprodukt (Deutschland: 23 Prozent). An zweiter Stelle stehe mit 21 (17) Prozent der Überziehungskredit auf dem Girokonto. Deutsche Verbraucher seien insgesamt überdurchschnittlich zufrieden mit ihrer Schuldensituation. 65 Prozent (europaweit: 55 Prozent) gäben an, sich mit dem Stand ihrer Schulden in einer komfortablen finanziellen Lage zu befinden. Allerdings gehe auch den disziplinierten Deutschen ab und zu das Geld am Monatsende aus. 48 Prozent der Befragten passiere das „manchmal“, „üblicherweise“ oder „immer“, leicht unter dem europäischen Durchschnitt von 52 Prozent. Immerhin 28 Prozent der Deutschen (europaweit: 23 Prozent) gäben an, dass das bei ihnen nie vorkomme. Dieser Wert liege vor allem in süd- und osteuropäischen Ländern niedriger. 

Ältere wenig vertraut mit den neuen Shopping-Varianten

Wie es weiter hieß, hätten viele Verbraucher hierzulande – stärker als im europäischen Vergleich – bei diversen kreditbasierten Bezahlvarianten nicht das Gefühl, dass es sich dabei um Schulden handele. Beim Mobilfunkvertrag mit subventioniertem (und letztlich über den Vertrag abbezahltem) Telefon, bei Try-before-you-buy oder bei Kreditkartenzahlungen seien das jeweils über 40 Prozent der Befragten – und damit sogar mehr als diejenigen, die diese Varianten für Schulden hielten. Selbst ein eindeutiges Kreditprodukt wie eine Null-Prozent-Finanzierung fühlt sich demnach für 30 Prozent der Deutschen nicht nach Schulden an. Dabei handele es sich keineswegs vorwiegend um junge Menschen, die in vermeintlicher jugendlicher Sorglosigkeit nicht richtig über das Schuldenmachen nachdächten – tatsächlich zeige sich vor allem bei Älteren eine Ungewissheit hinsichtlich der Einschätzung dieser Bezahlarten. Womöglich seien diese mit den vergleichsweise neuen Shopping-Varianten einfach weniger vertraut, so die Studie.

Deutsche Verbraucher gingen mit Schulden insgesamt zurückhaltend um, hieß es weiter. Rund 23 Prozent nutzten einen klassischen Kredit, 17 Prozent machten regelmäßig vom Dispositionskredit ihres Girokontos Gebrauch, 14 Prozent hätten eine Händlerfinanzierung. Alle Werte liegen den Angaben zufolge teilweise deutlich unter dem europäischen Durchschnitt. Angesichts dieser überschaubaren Schuldenbelastung sind deutsche Konsumenten laut der Umfrage auch mit ihrer Schuldensituation insgesamt überdurchschnittlich zufrieden: 47 Prozent schätzten ihre finanzielle Lage mit ihrem derzeitigen Schuldenstand als komfortabel ein, bei weiteren 10 Prozent würden auch etwas höhere Schulden nichts daran ändern. Noch einmal knapp 9 Prozent sähen sich sogar mit deutlich höheren Schulden noch in einer komfortablen Situation.

Alles in allem erwiesen sich die Deutschen als diszipliniert im Umgang mit ihrem verfügbaren Einkommen: 52 Prozent der Befragten gäben hierzulande an, dass ihnen nie oder fast nie vor dem nächsten Gehaltseingang das Geld ausgehe. 28 Prozent könnten das sogar völlig ausschließen – ein Wert, der vor allem im Süden und Osten Europas teilweise deutlich niedriger liege, so die Befragung. (ud)

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